Longevity: Fluch oder Segen? Ich trainiere und begleite seit fast 40 Jahren Menschen. Früher wollten sie fit werden. Sie wollten stärker werden, ein paar Kilo abnehmen, weniger Rückenschmerzen haben, besser aussehen oder einfach wieder die Treppe hochkommen, ohne oben ein Sauerstoffzelt zu benötigen. Heute wollen manche ihr Altern kontrollieren. Willkommen bei Longevity.
Natürlich ist der Wunsch, möglichst lange gesund zu leben, weder neu noch verwerflich. Im Gegenteil: Bewegung, Krafttraining, vernünftige Ernährung, ausreichend Schlaf, soziale Beziehungen, geistige Aktivität und medizinische Vorsorge gehören zu den sinnvollsten Dingen, die wir für unsere Gesundheit tun können. Das Problem beginnt für mich dort, wo aus Gesundheitsfürsorge Gesundheitskontrolle wird und der Mensch vor lauter Bemühungen, sein Leben zu verlängern, kaum noch Zeit findet, es zu leben. Und genau da wird es interessant.
Jede Zeit braucht ihr Zauberwort
Vor rund zwanzig Jahren war es Burnout. Plötzlich hatte gefühlt jeder Zweite Burnout, während die andere Hälfte kurz davorstand. Danach kam die Work-Life-Balance. Arbeit und Leben sollten fortan fein säuberlich auf einer imaginären Waage austariert werden, als ließe sich ein menschliches Leben morgens um sieben grammgenau einstellen.
Dann kam die Resilienz. Ein grundsätzlich wunderbarer Gedanke: Menschen können lernen, Belastungen besser zu bewältigen, sich emotional zu regulieren und nach Krisen wieder aufzustehen. Nur wurde auch dieser Begriff irgendwann so lange durch Unternehmen, Coachingseminare, Gesundheitsprogramme und soziale Medien gedreht, bis teilweise eine merkwürdige Botschaft daraus wurde: Wenn dich deine Lebensumstände kaputtmachen, musst du offenbar noch ein bisschen resilienter werden.
Vielleicht fehlte einfach noch das passende Wochenendseminar. Heute heißt das große Zauberwort Longevity.
Und natürlich kommt es schick daher. Mit Smartwatch, Schlafring, Blutwerten, Supplements, Biohacking, Kältebad und einem Frühstück, das manchmal aussieht, als hätte ein Chemielabor einen Obstsalat geheiratet.
Wenn Gesundheit zum Nebenjob wird
Ich habe überhaupt nichts gegen Selbstoptimierung. Wer mich kennt, weiß, dass ich seit Jahrzehnten trainiere und mich mit Ernährung, Regeneration, Psychologie und körperlicher Leistungsfähigkeit beschäftige. Aber irgendwann muss auch einmal Feierabend sein.
Denn wenn ich morgens zuerst meine Schlafqualität kontrolliere, danach Ruhepuls und HRV überprüfe, meine Supplements sortiere, anschließend Proteine, Kohlenhydrate und Omega-3-Fettsäuren bilanziere, meine Schritte zähle, meinen Blutzucker beobachte und abends von meiner Uhr erfahre, ob mein Körper heute einen guten Tag hatte, könnte man zwischendurch auf die verrückte Idee kommen, den eigenen Körper einfach einmal zu fragen: Na, wie geht’s dir eigentlich?
Und möglicherweise antwortet der Körper: Eigentlich ganz gut. Bis du angefangen hast, mich rund um die Uhr zu überwachen.
Wir verfügen heute über fantastische Möglichkeiten, Gesundheit zu messen. Das ist ein Fortschritt. Nur ist ein Mensch eben keine Excel-Tabelle mit Puls. Und nicht alles, was wir messen können, müssen wir auch permanent messen.
Vielleicht muss man auch nicht jeden Morgen wissen, wie alt die eigenen Mitochondrien heute sind. Vielleicht reicht manchmal die Information, dass man sich gut fühlt und die Hose noch zugeht.
Der Optimierungswahn kennt keinen Feierabend
Das eigentlich Perfide an permanenter Selbstoptimierung ist, dass man niemals fertig wird. Irgendetwas geht immer noch besser. Ein Kilo weniger. Zwei Prozent mehr Muskelmasse. Noch besser schlafen. Noch gesünder essen. Noch leistungsfähiger trainieren. Noch entspannter meditieren. Noch resilienter werden und jetzt bitte auch noch möglichst langsam altern.
Irgendwann sitzt da ein hervorragend optimierter Mensch, der sich nicht mehr traut, ein Stück Kuchen zu essen, weil seine App anschließend beleidigt sein könnte.
Und wenn er es doch isst, braucht er möglicherweise am nächsten Morgen drei zusätzliche Kilometer, ein Intervallfastenfenster und sieben Minuten Eisbaden, um die moralische Ordnung wiederherzustellen.
Psychologisch ist der Unterschied entscheidend: Es ist etwas völlig anderes, hohe Ansprüche an sich zu haben und gerne an sich zu arbeiten, als permanent das Gefühl mit sich herumzutragen, noch nicht gut genug zu sein. Forschung zu Perfektionismus und Burnout zeigt gerade bei diesen belastenden perfektionistischen Sorgen deutliche Zusammenhänge mit Erschöpfung.
Der entscheidende Satz lautet deshalb für mich: Etwas für sich zu tun, ist gesund. Permanent an sich arbeiten zu müssen, kann krank machen.
Work-Life-Balance – auch so ein sprachlich weichgekochtes Wunderwort
Work-Life-Balance gehört für mich ebenfalls zu diesen Begriffen, die einmal etwas Sinnvolles beschrieben haben und anschließend so häufig durchgekaut wurden, dass kaum noch Geschmack übrig ist.
Natürlich brauchen Menschen Erholung, Grenzen und Abstand von ihrer Arbeit. Die Forschung zeigt ziemlich klar, wie wichtig psychologische Distanzierung und Regeneration sind. Aber warum stellen wir eigentlich Arbeit und Leben gegenüber? Ich habe in meinem Leben ziemlich viel gearbeitet und war dabei meistens durchaus lebendig.
Das Leben ist keine Apothekerwaage. Es gibt Wochen, in denen die Arbeit mehr Raum braucht. Dann gibt es Zeiten für Familie, Beziehung, Sport, Rückzug, Reisen oder schlicht dafür, einmal gar nichts Produktives zu tun. Entscheidend ist doch nicht, ob jeden Dienstag um 17:30 Uhr mathematische Balance herrscht. Entscheidend ist, ob das eigene Leben über längere Zeit noch zu einem selbst passt.
Und wenn ich für meine Work-Life-Balance inzwischen einen Coach, eine App, drei Podcasts und einen Achtsamkeitskurs benötige, könnte es sein, dass allein die Organisation meiner Balance bereits wieder ein bisschen Stress verursacht.
Ich würde deshalb lieber von Stimmigkeit sprechen.
Resilienz bedeutet nicht: Halt noch ein bisschen länger durch
Ähnlich ist es mit Resilienz. Ich halte Resilienz für enorm wichtig, arbeite selbst seit vielen Jahren damit und sehe täglich, wie hilfreich Emotionsregulation, körperliche Aktivität, Selbstwirksamkeit und mentale Stabilität sein können.
Aber auch Resilienz kann missbraucht werden. Dann wird aus einem psychologischen Schutzfaktor plötzlich die Aufforderung: Mach dich härter, damit du noch mehr aushältst.
Das ist ungefähr so, als würde bei einem undichten Dach nicht das Dach repariert, sondern den Bewohnern empfohlen, resilienter gegenüber Regen zu werden.
Manchmal zeigt sich Resilienz gerade darin, etwas nicht mehr auszuhalten. Eine Grenze zu setzen, Nein zu sagen, eine krankmachende Arbeit zu verlassen, eine Beziehung zu verändern, Unterstützung anzunehmen oder endlich zuzugeben: So möchte ich nicht mehr weitermachen.
Nicht jeder Mensch muss widerstandsfähiger werden. Manchmal müssen schlicht die Umstände verändert werden.
Der Körper ist kein Sanierungsfall
Bei Longevity begegnet mir zunehmend eine Vorstellung vom Körper, die ich schwierig finde. Der eigene Organismus wird behandelt wie ein alter Berliner Altbau: Hier müssen wir noch etwas abdichten, dort optimieren, unten etwas zuführen, oben etwas herausnehmen und wenn irgendwo ein Wert nicht stimmt, schicken wir sofort den nächsten Handwerker rein.
Supplemente, Laboranalysen, Hormone, Fasten, Kälte, Wärme, Atemtraining, Schlaftracking, Blutzuckermessung, biologische Altersbestimmung, vieles davon kann im richtigen Zusammenhang sinnvoll sein. Aber zwanzig sinnvolle Maßnahmen ergeben nicht automatisch ein zwanzigmal besseres Leben. Manchmal ergeben sie einfach zwanzig neue Termine. Und wahrscheinlich noch ein Abo. Gesundheit darf uns beschäftigen. Sie sollte uns aber nicht besitzen.
Was nützen mir 100 Jahre, wenn 30 davon keinen Spaß machen?
Das ist für mich der entscheidende Punkt in der ganzen Longevity-Diskussion. Wir reden unglaublich viel darüber, wie wir dem Leben Jahre hinzufügen können. Ich würde gerne mindestens genauso häufig darüber sprechen, wie wir den Jahren Leben hinzufügen.
Was nützt mir ein biologisches Alter von 48, wenn ich mit 60 bei jeder Einladung zuerst überlege, was dort auf dem Buffet liegt? Was bringt mir ein perfekter Schlafscore, wenn ich morgens schlechte Laune bekomme, weil meine Uhr behauptet, ich hätte schlecht geschlafen? Und was habe ich von theoretisch fünf zusätzlichen Lebensjahren, wenn ich zwanzig Jahre damit beschäftigt war, sie mir unter erheblichem Verzicht zu erarbeiten?
Besonders absurd wird es, wenn der Mensch morgens aufwacht, sich eigentlich hervorragend fühlt, auf seine Smartwatch schaut und erfährt: Erholung mangelhaft. Na gut. Dann fühlt er sich eben ab jetzt schlecht.
Die WHO beschreibt gesundes Altern interessanterweise nicht einfach als Krankheitsfreiheit. Es geht wesentlich darum, Fähigkeiten zu erhalten, die Menschen ermöglichen, das zu tun und zu sein, was ihnen wichtig ist. Was ihnen wichtig ist! Diesen Teil sollten wir vielleicht zweimal lesen.
Wenn aus Gesundheit irgendwann Freudlosigkeit wird
Und damit kommen wir zu einem Begriff, der in der ganzen Optimierungsdebatte viel zu selten auftaucht: Anhedonie. Sie bezeichnet eine verminderte Fähigkeit, Freude oder Interesse zu empfinden und ist unter anderem ein wesentliches Symptom depressiver Erkrankungen.
Ich sage ausdrücklich nicht, dass Longevity Anhedonie verursacht. Eine solche simple Kausalität wäre wissenschaftlich Unsinn. Aber ich sehe eine Entwicklung, bei der wir aufpassen sollten: Wenn Essen nur noch Nährstoffaufnahme, Sport nur noch Trainingsreiz, Schlaf nur noch Regeneration, Sexualität nur noch Hormongesundheit und Freundschaft plötzlich ein wissenschaftlich belegter „Longevity-Faktor“ ist, dann haben wir möglicherweise irgendwann alles optimiert, außer das Leben selbst.
Vielleicht sitzen dann vier Menschen beim Abendessen zusammen, keiner isst Kohlenhydrate, alle haben einen Glukosesensor am Arm und niemand hat mehr etwas zu erzählen.
Menschen brauchen Dinge, die keinen messbaren Nutzen haben müssen. Lachen, lieben, tanzen, boxen, reisen, Musik hören, Freunde treffen, in der Sonne sitzen, ein gutes Essen genießen oder einfach einen Nachmittag vertrödeln. Nicht alles Schöne muss gesund sein. Manches ist einfach schön. Und das reicht.
Wo Angst ist, entsteht ein Markt
Kaum etwas lässt sich wirtschaftlich besser nutzen als die menschliche Angst vor Krankheit, Altern, Kontrollverlust und Tod. Deshalb werden uns immer neue Produkte, Untersuchungen, Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente, Programme und Versprechen begegnen, die suggerieren, wir könnten das Altern immer weiter kontrollieren.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, Medizin, Pharmaindustrie, Politik oder Wissenschaft pauschal zum Feind zu erklären. Das wäre genauso einfältig wie blinder Glaube. Moderne Medizin rettet Leben, Prävention verhindert Krankheiten und wissenschaftlicher Fortschritt hat unsere Lebenserwartung und Lebensqualität enorm verbessert.
Aber Selbstbestimmung bedeutet für mich, Fragen zu stellen: Wer erzählt mir hier gerade was? Wie gut ist es belegt? Welche Interessen stehen dahinter? Wer verdient daran? Und brauche ich das wirklich , oder wurde mir gerade erfolgreich erklärt, dass ich ein Problem habe, von dem ich vor fünf Minuten noch gar nichts wusste?
Das ist übrigens ein bemerkenswertes Geschäftsmodell: Man verkauft nicht nur die Lösung. Im Idealfall liefert man das Problem gleich mit.
Deshalb bedeutet Gesundheitskompetenz für mich weder blinden Glauben noch reflexhafte Ablehnung. Sie bedeutet prüfen, verstehen, abwägen und anschließend selbst entscheiden. Das nennt man Denken.
Vielleicht beginnt Longevity gar nicht im Labor
Vielleicht beginnt gesundes Altern viel banaler. Mit einem Körper, den wir regelmäßig bewegen. Mit Muskeln, die wir benutzen. Mit einem Herz-Kreislauf-System, das gelegentlich arbeiten darf. Mit vernünftigem Essen, ausreichend Schlaf, geistiger Neugier und medizinischer Vorsorge.
Aber genauso mit Menschen, bei denen wir nicht funktionieren müssen. Mit Beziehungen, die uns guttun. Mit Berührung, Humor, Zugehörigkeit, Aufgaben, die einen Sinn ergeben, und der Fähigkeit, gelegentlich über sich selbst zu lachen.
Soziale Beziehungen sind gesundheitlich keineswegs irgendein romantisches Beiwerk. Die Forschung zeigt seit Jahren deutliche Zusammenhänge zwischen sozialer Verbundenheit, Gesundheit und Wohlbefinden. Vielleicht beginnt Longevity deshalb manchmal nicht im Labor. Vielleicht beginnt sie am Küchentisch.
Und möglicherweise sitzt dort sogar jemand mit einem Glas Wein, einem Stück Kuchen oder einer Portion Bratkartoffeln. Das Leben ist voller Risiken.
Zehn Gedanken gegen den Optimierungswahnsinn
– Bewege deinen Körper regelmäßig und kräftig – aber nicht als Strafe dafür, dass du gestern gelebt hast.
– Ernähre dich überwiegend vernünftig. Das Wort „überwiegend“ ist dabei möglicherweise wichtiger als das Wort „vernünftig“.
– Schlaf ausreichend. Und wenn du einmal schlecht geschlafen hast, lass dir nicht zusätzlich von deiner Smartwatch den Tag versauen.
– Trainiere deine Muskeln, dein Herz und deinen Kreislauf – aber vergiss Humor, Freundschaft, Liebe und Neugier nicht.
– Nutze medizinische Vorsorge und moderne Medizin. Aber glaube nicht jedem Menschen, der dir für 299 Euro verraten möchte, warum du falsch alterst.
– Informiere dich. Prüfe Quellen und Interessen und behalte anschließend das Recht, selbst zu entscheiden.
– Trainiere Resilienz, aber benutze sie niemals dazu, unerträgliche Lebensbedingungen noch länger ertragen zu können.
– Vergiss die perfekte Work-Life-Balance. Suche lieber nach einem Leben, das zu dir passt.
– Miss ruhig Dinge, wenn die Messung dir hilft. Aber vergiss nicht: Liebe, Freundschaft, Leidenschaft, Mut und Lebensfreude haben bis heute keinen verlässlichen Score.
– Frage dich regelmäßig nicht nur: Was hält mich gesund? Frage dich genauso: Was macht mich lebendig?
Longevity: Fluch oder Segen?
Longevity kann ein Segen sein, wenn sie bedeutet, Verantwortung für sich zu übernehmen, den Körper zu stärken, Krankheiten möglichst vorzubeugen, Beziehungen zu pflegen, neugierig zu bleiben und möglichst lange selbstständig leben zu können.
Sie wird zum Fluch, wenn aus Verantwortung Kontrolle, aus Selbstfürsorge Selbstüberwachung und aus persönlicher Entwicklung ein lebenslanges Sanierungsprojekt wird.
Wir werden unseren Körper nicht vollständig kontrollieren. Wir werden altern. Wir werden Falten bekommen. Wir werden irgendwann langsamer. Und trotz aller Apps, Pillen, Uhren, Ringe, Blutbilder und Biohacks bleibt das Leben eine Veranstaltung mit offenem Ausgang.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, den die ganze Selbstoptimierungsindustrie nicht besonders gerne hört: Das Leben ist nicht vollständig kontrollierbar. Zum Glück. Denn ein Leben, in dem bereits am Montag sämtliche Risiken, Kalorien, Belastungen, Emotionen und Blutwerte bis Sonntagabend optimiert sind, wäre möglicherweise sehr gesund. Aber vielleicht auch sterbenslangweilig.
Nicht nur länger leben – sondern länger lebendig sein
Ich möchte deshalb nicht ausschließlich möglichst lange leben. Ich möchte möglichst lange lebendig sein: körperlich, geistig, emotional und sozial. Mit Disziplin und Genuss, Anstrengung und Erholung, Vernunft und gelegentlicher Unvernunft. Mit Menschen, die mir wichtig sind, mit Dingen, für die ich brenne, und mit genügend Freiheit, auch einmal etwas zu tun, das meine Lebenserwartung vermutlich um keine einzige Sekunde verlängert, mir aber einen verdammt guten Nachmittag beschert.
Denn am Ende möchte ich nicht ausschließlich wissen, wie viele Jahre ich meinem Leben hinzugefügt habe. Mich interessiert mindestens genauso sehr: Wie viel Leben habe ich meinen Jahren hinzugefügt? Manchmal muss man eben aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen. seelenboxer 🥊🙏❤️
Longevity ist grundsätzlich sinnvoll, wenn es darum geht, möglichst lange gesund, beweglich, geistig fit und selbstständig zu bleiben. Problematisch wird es, wenn Gesundheit zum Vollzeitprojekt wird und aus Selbstfürsorge permanente Selbstkontrolle entsteht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie kann ich länger leben? Sondern auch: Wie möchte ich leben?
a. Wenn Schlaf, Ernährung, Training, Körpergewicht, Blutwerte und Regeneration ständig kontrolliert und bewertet werden, kann aus einem ursprünglich gesunden Verhalten neuer Leistungsdruck entstehen. Nicht alles, was messbar ist, muss ständig gemessen werden. Gesundheit sollte Lebensqualität ermöglichen – und nicht selbst zur Belastung werden.
Nicht nur Ernährung, Bewegung und medizinische Vorsorge. Ebenso wichtig sind soziale Beziehungen, Erholung, Selbstwirksamkeit, psychische Stabilität, Sinn, Genuss, Neugier und Lebensfreude. Vielleicht ist deshalb die bessere Longevity-Frage nicht: „Wie viele Jahre kann ich meinem Leben hinzufügen?“, sondern: „Wie viel Leben kann ich meinen Jahren hinzufügen?“